Konsum
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Fair Fashion vs. konventionelle Fashion: Eine bewusste Entscheidung

Gina S., 25 Jahre

Der Themenschwerpunkt der Fairen Woche 2022 sind Textilien. In den letzten Jahren hat das steigende Umweltbewusstsein der Menschen auch Einfluss auf die Textilindustrie genommen. So sind zahlreiche kleine und größere Modelabels, sogar eine ganze Slow Fashion Bewegung entstanden, welche der „schnellen Modeindustrie“ (Fast Fashion) mit Nachhaltigkeitskonzepten und fairen Arbeitsbedingungen gegenübertreten. Nachhaltige Mode muss heute nicht mehr nur bunt und zeitlos sein, sondern kommt aus modernen Shops, hängt in Kaufhäusern und ist online erhältlich. Modisch und nachhaltig sind heute (zum Glück) keine Gegensätze mehr. Dennoch sind die konventionellen Bekleidungsunternehmen nach wie vor sehr stark präsent und erzielen enorm hohe Umsätze. Zunehmend werben sie auch mit Nachhaltigkeits-Labels und -Kollektionen. Aber die Geschäftsmodelle konventioneller und Fair-Handels-Unternehmen widersprechen sich doch von Grund auf – oder etwa nicht?

In rasantem Tempo schaffen es die großen Fast Fashion Unternehmen, die Trends der Laufstege zu erschwinglichen Preisen in die Geschäfte der Welt zu bringen. Die Unternehmen geben mit bis zu 24 Kollektionen pro Jahr den Takt vor, während die Konsument*innen versuchen, Schritt zu halten. Doch Fast Fashion, die schnelle Mode, hat ihren Preis. Der kurze Lebenszyklus der Textilien bedarf großer Mengen an Ressourcen und macht 10% der weltweiten CO2-Emissionen aus. Das ist mehr als der Flug- und Schifffahrtsverkehr zusammen! Die katastrophalen und zumeist menschenunwürdigen Bedingungen, unter welchen die Kleidung hergestellt wird, stehen dem in nichts nach.

Bevor wir uns die Frage stellen können, ob eine Reduzierung der Umweltbelastungen mit einem Geschäftsmodell in Einklang gebracht werden kann, welches auf der Produktion immer größerer Mengen zu immer günstigeren Preisen basiert, sollten wir definieren, was Nachhaltigkeit in der Mode überhaupt bedeutet. Sie umfasst Produktionsmerkmale wie die Verwendung ökologischer, nachwachsender Materialien, Haltbarkeit und Langlebigkeit sowie soziale Attribute wie Arbeitsplatzsicherheit, gerechte Löhne und Gesundheitsschutz. Der Schritt zu einer nachhaltigen Entwicklung ist für viele Unternehmen ein langwieriger Prozess, der sich erst spät auszahlt. Auf die zunehmenden Forderungen seitens der Politik und auch der Konsument*innen nach mehr Transparenz entlang der Wertschöpfungskette, sind die Unternehmen – auch und vor allem in der konventionellen Modeindustrie – gezwungen, zu handeln.

Ein „schnelles“ Konzept für Nachhaltigkeit gibt es nicht, vielmehr bedarf es einer langfristigen Strategie. Und diese nicht nur für die Unternehmensniederlassungen in Europa, sondern bezogen auf die gesamte Lieferkette. Doch die Motivation der konventionellen Fashion Unternehmen, das Bedürfnis der Konsument*innen nach mehr Nachhaltigkeit kurzfristig zu befriedigen, verleitet viele Unternehmen zu „Greenwashing“. Mit diversen Versprechungen soll das Unternehmensimage verbessert und ein größerer Kund*innenkreis angesprochen werden. In zahlreichen Fällen mangelt es diesen Versprechungen allerdings an konkreten und realisierbaren Maßnahmen zur Umsetzung. Oft sind die angeblich nachhaltig hergestellten Kollektionen eigens entworfene Label, die keiner externen Prüfung unterliegen. Nachhaltigkeitsversprechen sind zur Strategie der großen Modeunternehmen geworden, um auch den sensibilisierten Kund*innenkreis anzusprechen, ein reines Gewissen zu vermitteln und gleichzeitig den Konsum weiter voranzutreiben. Für eine nachhaltigere und faire Produktion sind beispielsweise recycelbare Materialien, umweltschonende Technologien und faire Arbeitsbedingungen wichtige Grundvoraussetzungen.

Eine nachhaltige Entwicklung kann jedoch nicht durch nachhaltige Produktion und nachhaltigen Handel allein herbeigeführt werden. Auf der Seite der Konsument*innen bedarf es der Bereitschaft, eigenes Handeln zu hinterfragen und gegebenenfalls zu ändern. Das bedeutet zum Beispiel, nachhaltig hergestellte Produkte gegenüber konventionell hergestellten Kleidungsstücken zu bevorzugen und diese länger zu tragen. Es gibt verschiedene zertifizierte Siegel, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen und euch bei der Wahl der Kleidung als Orientierung dienen können. In der Hintergrundbroschüre und dem Flyer zur Fairen Woche erfahrt ihr mehr zu den verschiedenen Siegeln. Vielleicht ist auch der Kauf eines Second-Hand Kleidungsstücks eine Option? Inzwischen gibt es auch online ein großes Angebot an Second-Hand-Kleidung.

Ich persönlich habe mich nicht immer leichtgetan, meine eigene Überzeugung auf meine Kaufentscheidungen zu übertragen. Das Gefühl etwas Neues zu kaufen ist einfach zu gut – dachte ich. Doch wenn ich im Nachhinein darüber nachdenke, hat es nie lange angehalten. So wurde der Kleiderschrank immer voller, die Tragfrequenz und Wertschätzung gegenüber den einzelnen Teilen immer geringer. Heute überlege ich mir beim Kauf genauer, ob ich das Teil, diese schwarze Bluse, wirklich brauche, wo ich sie tragen würde oder ob ich vielleicht schon eine fast identische besitze.

Meist hängen die schönsten Kleidungsstücke bereits im Schrank und warten nur darauf, in der richtigen Kombination zu strahlen.

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