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FairReisen – zwischen Generation Easyjet und Generation Greta

Lukas, 25 Jahre

Wenn ich mich in meinem Freundeskreis umschaue, stelle ich zwei Entwicklungen fest, die eigentlich nicht zusammenpassen. Viele junge Menschen wachsen in einer globalisierten und vernetzten Welt auf, sprechen oft mehrere Sprachen, haben internationale Freundschaften und erleben Reisen als etwas ganz Normales. Parallel wächst in der Gesellschaft – und spätestens seit der Fridays-for-Future-Bewegung besonders auch in den jüngeren Generationen – ein Problembewusstsein gegenüber ökologischen und sozialen Auswirkungen des Reisens. „Generation Easyjet“ lässt sich mit „Generation Greta“ schwer vereinen, liest man manchmal.

Beispiele für ins Ungleichgewicht geratenen Tourismus gibt es zuhauf. Eines der bekanntesten lässt sich seit einigen Jahren in Italien beobachten: Venedigs Gassen verstopfen unter dem extremen Besucherandrang. Unter anderem durch die Auswirkungen der Kreuzfahrtschiffe droht der ganzen Stadt ein Kollaps – Venedig gilt als Bilderbuchbeispiel für das Phänomen „Overtourism“. Durch Touristenmassen verursachte Probleme finden sich in gehypten Urlaubsregionen rund um den Globus: Müllchaos in Bali, explodierende Immobilienpreise am Mittelmeer, Süßwassermangel und Verdrängung auf Mallorca – die Liste ließe sich beliebig fortführen.

Zuletzt haben Anwohner in Barcelona von sich Reden gemacht, nachdem sich einige italienische Touristen kräftig daneben benommen haben:

Quelle: You ARE the terrorists“ von Amy unter CC-BY-2.0 | CC BY 2.0

Gleichzeitig ist aber auch klar, dass das Reisen durchs Kennenlernen anderer Kulturen und Orte ein wichtiger Baustein für die Persönlichkeitsentwicklung sein kann. Einige Tipps fürs nachhaltige und (soweit möglich) faire Reisen haben wir hier für euch gesammelt:

Vor und während der Reise: Achte auf Siegel

Schon beim Buchen deiner Reise kannst du auf bestimmt Standards achten. Wie im gesamten Bereich des Fairen Handels ist hier genaues Hinsehen gefragt, weil es zwar eine Menge gut klingender Zertifikate gibt, aber nicht  jedes unbedingt eine Garantie für Fairness entlang der Lieferkette bedeutet.

Hinter diesem Label verbirgt sich eine Partnerschaft zwischen dem Schweizer Staatssekretariats für Wirtschaft und der Pionierorganisation FTTSA. Allerdings wird das Siegel nicht von der Organisation selbst, sondern von der unabhängigen Zertifizierungsstelle Flocert Südafrika vergeben. Das ist die gleiche Institution, die z.B. auch für das bekannte Fairtrade-Siegel unter dem Dach von Transfair Prüfungen durchführt. Hier kannst Du zu Angeboten mit diesem Siegel weiterstöbern.

Das Siegel Viabono legt einen Fokus auf ökologische Nachhaltigkeit. Ausgezeichnet werden Betriebe, die umwelt-, klima- und naturfreundlich arbeiten. Das Zertifikat gibt es sowohl für Beherbergungs-, als auch für Gastronomieunternehmen. Soziale Standards werden bei diesem Label nicht in den Fokus genommen.

Das Label wird von der gemeinnützigen Gesellschaft TourCert gGmbH vergeben. Die Kriterien werden dabei von einem unabhängigen Zertifizierungsrat überprüft und garantieren faire Arbeitsbedingungen und Löhne sowie bestimmte Sozial- und Umweltstandards.

Tipp: im Verband „Forum Anders Reisen“ sind ca. 140 Reiseveranstalter organisiert, die sozial und ökologisch nachhaltig wirtschaften. Alle Mitglieder müssen bestimmte Mindeststandards erfüllen und werden alle zwei Jahre extern zertifiziert. Eine Übersicht gibt es hier.

Reisen ja – aber richtig

Für die Verbindungen zwischen dem internationalen Süden und dem Norden ist der Tourismus ein wichtiges Element. Fast die Hälfte aller internationalen Reisen führt in Entwicklungs- oder Schwellenländer, wobei für viele Regionen mit den Touristenströmen ein bedeutender Wirtschaftszweig gewachsen ist. Verantwortungsvolles Reisen kann für viele Partner vor Ort also ein wichtiger Faktor sein, mit dem sich die lokale Wirtschaft durchaus unterstützen lässt – sofern man zum Beispiel bei Buchungen auf bestimmte Siegel achtet und vor Ort folgenden Spruch beherzigt:

Wer andere besucht, soll seine Augen öffnen, nicht den Mund.
Tansanisches Sprichwort

Zum richtigen Verhalten von Touristen vor Ort ließe sich wohl ein eigenes Buch schreiben. Was die meisten Ratschläge aber gemeinsam haben: Sei aufmerksam, sensibel und rücksichtsvoll gegenüber den Menschen und kulturellen Eigenheiten, die dir unterwegs begegnen. Eine gute Zusammenstellung von Tipps fürs Fairness und Rücksicht vor Ort gibt es in der Broschüre „Fair Reisen mit Herz und Verstand“ von der tourismuskritischen Organisation Tourism Watch in Kooperation mit Brot für die Welt.

Auch kann es ein Zeichen von Wertschätzung und Engagement sein, wenn man einige grundlegende Worte lernt – zum Beispiel die im Urlaubsgebiet gängigen Ausdrücke für „Guten Tag“, „Danke“ oder „Auf Wiedersehen“. Das ist z.B. mit einer  Sprachen-App schnell gemacht und kann im Zweifelsfall Türen öffnen.

Weitere Tipps fürs nachhaltige Reisen gibt’s zum Beispiel bei Utopia.

Die Faire Woche wird gefördert mit Mitteln des evangelischen Kirchlichen Entwicklungsdienstes, durch MISEREOR und durch ENGAGEMENT GLOBAL mit finanzieller Unterstützung des

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