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Im Porträt: Fünf Menschen und Organisationen im Fairen Handel

Welche Gesichter und Stationen stecken hinter dem Begriff „Fair Trade“? Blogerin Sophia zeigt dir fünf Menschen und Organisationen (aus den Bereichen Produktion, Vertrieb, Verkauf, Konsum und Engagement), die sich beruflich oder privat für Fairen Handel einsetzen.

Sophia, 25 Jahre

1. Die Produzentin

Die Förderung von Frauen ist sehr wichtig, um ihnen die gleichen Chancen wie Männern zu geben.

Marthe Uwiherewenimana von der Kaffee-Kooperative Kopakama

Marthe Uwiherewenimana ist eine Kaffeebäuerin aus Ruanda  und Vorstandsvorsitzende der Kaffee-Kooperative Kopakama. Seit 2010 gehört sie als Mitglied zu der Vereinigung von Kaffeeproduzent*innen, seit 2017 ist sie im Vorstand. Kopakama ist Handelspartner beim Importeur El Puente und hat sich im Westen Ruandas in der Nähe des Kivu-Sees zusammengeschlossen. Der Fokus der Vereinigung liegt bei der Förderung von Frauenprojekten und der Versöhnung der verschiedenen Bevölkerungsgruppen.

Während der Fairen Woche im September 2019 zum Thema „Geschlechtergerechtigkeit“ wird Marthe nach Deutschland kommen und die Erfahrungen der Kaffeebäuerinnen teilen und zeigen, wie der Faire Handel zur Geschlechtergerechtigkeit beiträgt. Sie setzt sich für die Förderung und Vereinigung der Frauen ein. Innerhalb der Kooperative bewirtschaften die Frauen gemeinsam 1,5 Hektar Land. Dazu kommt, dass jede Frau ihren eigenen Kaffeegarten pflegt.

„Die Förderung von Frauen ist sehr wichtig, um ihnen die gleichen Chancen wie Männern zu geben. In einigen Ländern Afrikas lag die Entscheidung über Aufgabenteilung ganz bei dem Mann – so war es auch hier auf den Kaffeeplantagen, die als Eigentum der Männer galten“, so Marthe Uwiherewenimana.

Nach dem Genozid (= Völkermord) in Ruanda wurden viele Frauen zu Witwen oder waren alleine. Bei dem Völkermord in den 90ern gab es mindestens 500.000 Tote. Viele Männer starben oder wurden verhaftet. Einige Plantagen standen deshalb vor dem Ruin und die Frauen wurden ermutigt, die Bewirtschaftung selbst in die Hand zu nehmen. Etwa ein Drittel der Mitglieder von Kopakama sind Frauen. Seit Mitte 2018 ist der Kaffee von Kopakama  auch Bio-zertifiziert.

2. Der Vertrieb

El Puente ist eins von mehreren Fair-Handels-Unternehmen in Deutschland, die sich zu 100 % dem fairen Handel verschrieben haben.

Das Fair-Handels-Unternehmen El Puente gehört zu den Pionieren der Fair-Handels-Bewegung und arbeitet heute mit etwa 140 Handelspartner*innen wie Kleinbäuer*innen, Familienbetrieben oder lokalen Fair Trade-Unternehmen in Afrika, Asien und Lateinamerika zusammen.

Neben Bio-Lebensmitteln wie Kaffee, Zucker oder Tee, mit mehr als 80 Prozent Bio-Anteil, vertreibt El Puente auch Kunsthandwerk wie Schmuck, Spielzeug, Haushaltsartikel, bis hin zu Mode- und Wohnaccessoires. Insgesamt bietet das Unternehmen mehr als 5.000 fair gehandelte Produkte an.

Die Arbeit von El Puente begann Anfang der 1970er Jahre mit dem Import von Kunsthandwerk aus Lateinamerika. Heute agiert es europaweit und hat Kunden von Norwegen bis Griechenland. Die meisten Kunden sind jedoch Weltläden in Deutschland, Österreich und Frankreich. In langjährigen und transparenten Handelspartnerschaften unterstützt El Puente seine Handelspartner.

Die Produkte werden in etwa 800 Weltläden in Deutschland und Europa sowie über den Online-Shop verkauft. „Seit den 1970er Jahren gestalten wir dadurch einen gerechteren Welthandel. Unsere Vision ist ein faires Miteinander. Als Mitglied der World Fair Trade Organization (WFTO) richten wir unsere Arbeit an den zehn Standards des Fairen Handels aus“, heißt es auf der Website. Dort sind auch die Handelspartner aus Ländern wie Indien, Tansania oder Brasilien aufgelistet.

3. Der Verkauf

Weltläden – die Fachgeschäfte des Fairen Handels

Fair gehandelte Produkte wie Kaffee, Tee oder Bananen gibt es mittlerweile vereinzelt auch in Discountern und Supermärkten. Mehr Auswahl im Sortiment haben allerdings die sogenannten „Weltläden“. Die Idee der Weltläden entstand in den 1960er/70er Jahren aus der Bewegung kirchlicher Jugendorganisationen, die Aufmärsche gegen die damalige deutsche Entwicklungspolitik organisierten. Aus der „Aktion Dritte Welt Handel“ entstanden 1971 dann erste Geschäfte. El Puente beispielsweise eröffnete 1974 einen der ersten Weltläden in Hildesheim. Der älteste, heute aber nicht mehr existierende Weltladen mit regelmäßigen Öffnungszeiten wurde 1973 in Stuttgart eröffnet. Ende der 1990er Jahre entstand dann der Weltladen-Dachverband.

Heute gibt es alleine in Deutschland über 900 Weltläden (Vergleich 1987: ca. 350), die fair gehandelte Produkte wie Kaffee, Tee, Honig, Gewürze, Gebrauchsgegenstände, Schmuck, Kleidung oder Instrumente verkaufen. Zu den Lieferanten gehören neben El Puente zum Beispiel auch banafair, GEPA, 3Freunde, fairafric, El Inka, dwp oder baghi fairfashion.

Doch Weltläden verkaufen nicht nur Ware, sondern informieren die Öffentlichkeit auch über Produkte, Herkunftsländer und die Produzent*innen. Sie arbeiten außerdem mit Schulen (z.B. Fairtrade Schools) zusammen. Das Konzept eines Weltladens basiert auf drei Säulen: Warenverkauf, Information und Bildungsarbeit. Der Verkauf der Produkte trägt dazu bei, dass die Existenz der Erzeuger*innen gesichert wird. Viele Weltläden werden ehrenamtlich betrieben. Ob sich auch in eurer Nähe ein Weltladen befindet, könnt ihr mit Hilfe des Weltladen-Finders herausfinden.

4. Die Konsumentin

„Mir ist es wichtig, dass ich weiß, dass niemand unter schlechten Bedingungen arbeiten muss, nur damit ich günstige und schöne Kleidung kaufen kann.“

Quelle: privat
Lara achtet bei ihrem Einkauf auf Produkte aus Fairem Handel

Angefangen, faire Produkte zu konsumieren, hat die 19-jährige Lara aus Freiburg im Breisgau, nachdem sie von zu Hause ausgezogen ist. „Mich hat es erschrocken zu sehen, wie viele Lebensmittel in unseren Supermärkten landen, die vom anderen Ende der Welt kommen, nur damit wir auch im Winter die Möglichkeit haben, Erdbeeren zu essen oder das ganze Jahr über Avocados kaufen können. Da habe ich angefangen, darauf zu achten, woher meine Produkte kommen und auch in einem Zug dazu, ob sie ein Fair Trade-Siegel tragen oder nicht.

Dabei hat die Studentin  festgestellt, dass es oft gar nicht so einfach ist, fair gehandelte Produkte zu finden und zu erkennen. Jedoch sei es bei Lebensmitteln leichter als beispielsweise bei Klamotten. Dort dominiere immer noch Billigproduktion, bei der keine fairen Bedingungen herrschen. Lara: „Wenn ich von Fair Trade spreche, dann sind mir drei Dinge wichtig: Die Produkte sollen unter fairen Bedingungen für die Produzenten*innen hergestellt worden sein, die Produktion und vor allem die Lieferung sollen fair für die Umwelt sein und zuletzt sollen die Produkte auch fair für die Konsumenten*innen sein.“

Lara ist es wichtig, dass ihr Gemüse nicht von Pestiziden verseucht und ihre Kleidung nicht mit giftigen Chemikalien vollgesogen ist. Sie hat bisher weniger Fair Trade-Kleidung gekauft, schaut aber immer, welche Secondhand-Kleidung es schon gibt, bevor sie sich neue Kleidung kauft. Bei Lebensmitteln achtet sie vor allem auf Siegel und das Ursprungsland. Außerdem versucht sie so oft wie möglich vegan einzukaufen.

“ Zu guter Letzt achte ich darauf, Produkte zu wählen, die nicht in Plastik verpackt sind. Meiner Meinung nach gehört auch dieses Bewusstsein zu einem fairen Einkauf dazu“, fügt Lara hinzu. Zum größten Teil kauft Lara ihre Lebensmittel in normalen Supermärkten oder auf Bauernmärkten ein, aber auch das Konzept der Unverpackt-Läden hat sie für sich entdeckt. Was sollte sich am Konsumverhalten unserer Gesellschaft im Bezug auf Fair Trade noch ändern? „Es ist sicherlich auch Aufgabe des Staates, durch Gesetze mehr zur Nachhaltigkeit und Fairness aufzurufen, aber letztendlich finde ich, dass jede*r einzelne viel mehr Bewusstsein für Nachhaltigkeit und faire Bedingungen entwickeln muss.“

5. Die Engagierten

Fairtrade Schools Kampagne

Das letzte Element in der Kette des Fairen Handels ist das „faire Engagement“. Wie wir euch bereits vorgestellt haben, gibt es diverse Möglichkeiten, sich an Schulen für Fairen Handel zu engagieren. Eine Möglichkeit dabei sind die sogenannten Fairtrade Schools. Die Kampagne wurde im Oktober 2012 von  dem VereinTransFair ins Leben gerufen. Fairtrade Schools fördern eine nachhaltige Entwicklung und das globale Lernen. Der Fokus dabei liegt auf der lokalen Vernetzung und der Ausbildung von Schüler*innen zu Fairtrade-Botschafter*innen bei bundesweiten Schülerakademien.

Das Konzept dieser Schulen basiert auf drei Säulen der Nachhaltigkeit: Ökonomie, Ökologie und Soziales. Ziel ist es, dass junge Menschen ihren Konsum verantwortungsvoll gestalten. Die Zahl der Fairtrade Schools lag Anfang Mai 2019 bei bundesweit 592. Die 500. Fairtrade School war das Hansa-Gymnasium in Köln. Die Kampagne fördert das Thema „Fairer Handel“ im Unterricht und vermittelt Wissen und Kompetenzen zu nachhaltigem Konsum. Außerdem werden Schüler*innen und Schule über faire Produkte in der Schulverpflegung informiert. Mehr Informationen zu den Fairtrade Schools und wie auch deine Schule eine Fairtrade School werden kann, erfährst du hier.

Die Faire Woche wird gefördert mit Mitteln des evangelischen Kirchlichen Entwicklungsdienstes, durch MISEREOR und durch ENGAGEMENT GLOBAL mit finanzieller Unterstützung des

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