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Mein Jahr an der Elfenbeinküste – oder: Woher kommt meine Schokolade?

Georg, 20 Jahre

Nach dem Abitur gibt es viele Möglichkeiten, was man tun kann: Direkt mit dem Studium beginnen, eine Ausbildung anfangen, Arbeiten, Reisen und vieles mehr. Doch mir war schon früh klar, dass es für mich erstmal etwas anderes werden sollte: Ich wollte ein Jahr raus aus dem gewohnten Umfeld und in eine neue Kultur eintauchen, etwas anderes erleben. Und so begann eine Zeit voller Erfahrungen, die ich heute nicht mehr missen möchte:

Im Rahmen meines entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes verbrachte ich ein Jahr an der Elfenbeinküste, wo ich vor allem mit Kindern und Jugendlichen aus sozial schwachen Familien arbeitete. Ich wurde von der Organisation don bosco volunteers betreut, die Freiwillige in Projekte der Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos entsenden.

Die Elfenbeinküste: Eine ehemalige Kolonie Frankreichs

Die Elfenbeinküste hat 27 Millionen Einwohner, davon ein Viertel Migranten (vor allem aus dem Norden wie Burkina Faso oder Mali, die aufgrund der besseren wirtschaftlichen Lage an die Elfenbeinküste kommen). Sie orientiert sich auch heute noch stark an ihrer ehemaligen Kolonialmacht Frankreich und hat zum Beispiel ein ähnliches Schulsystem sowie Französisch als Amtssprache. Neben Französisch existieren noch viele weitere Sprachen im Land (nahezu jede der 70 Ethnien besitzt ihre eigene Sprache, viele davon sind allerdings recht ähnlich). Große Teile der Bevölkerung sind auch heute noch in der Landwirtschaft tätig. Wichtige Güter sind Kakao (weltgrößter Exporteur!), Kaffee, Palmöl, Kokosnüsse, Baumwolle, Kautschuk und diverse Früchte.

Arbeit im Jungs-Foyer, Englischunterricht und Musik

Ich selbst war im Westen der Elfenbeinküste in einer Stadt namens Duékoué. Dort besitzen die Salesianer ein großes Gelände mit vielen Einrichtungen, in die auch meine tägliche Routine verstrickt war.

Meine Hauptaufgabe war die Arbeit im Jungs-Foyer. Ein Foyer ist wie ein Internat – mit der Ausnahme, dass die Kinder und Jugendlichen auf die verschiedenen Schulen im Ort gehen. Jedoch arbeiten, essen, schlafen, lernen und verbringen sie ihre Freizeit im Foyer. Ich war vor Ort der Ansprechpartner der Jungs bei allen Fragen und Streitigkeiten und habe mit ihnen den Tag verbracht.

Außerdem unterrichtete ich insgesamt drei Klassen der Berufsschule der Salesianer jeweils eine Stunde wöchentlich in Englisch. Da die Berufsschule (wie in Frankreich) sehr praktisch ausgelegt ist, sind die Englischkenntnisse noch sehr grundlegend und wir haben vor allem an der Basiskonversation gearbeitet.

Sonntags fand immer das Oratorium statt, mein persönliches Highlight der Woche. Beim Oratorium treffen sich die Kids der ganzen Umgebung, um Fußball, Basketball und Volleyball zu spielen, zu basteln, zu malen, zu tanzen oder Gitarre zu spielen. Letzteres konnte ich als neuen Programmpunkt ins Oratorium einbringen. Der Tag wurde mit dem „mot du soir“, also dem Abendwort, abgeschlossen: Ein Salesianer gibt den Kids einen Gedanken oder eine Geschichte mit auf den Weg nach Hause, die sie noch kurz begleiten sollen.

In meiner Freizeit ging ich sehr gerne auf den Markt, was jedes Mal ein Erlebnis war! Auf den ersten Blick recht chaotisch, lernte ich recht schnell meine persönlichen Hotspots kennen, zu denen ich gerne zurückkehrte und deren Verkäufer*innen über die Zeit zu Freund*innen wurden. Und je bekannter ich auf dem Markt wurde (mit meiner hellen Haut bin ich ja doch aufgefallen), desto mehr Zeit konnte ich mir beim Verhandeln sparen 😉

Die Menschen der Elfenbeinküste

Wer waren diese Leute, mit denen ich so viel Zeit verbracht habe?

Das kann man pauschal leider nicht beantworten: An der Elfenbeinküste sind die Menschen genauso verschieden wie in Deutschland. Trotzdem gibt es Probleme, die viele von ihnen teilen.
Eins davon ist die Armut. Diese betrifft zwar bei weitem nicht alle Ivorer, doch im ländlichen Teil des Landes ist sie doch sehr sichtbar. Die Familien mit ihren kleinen Plantagen haben zwar genug zu Essen und zum grundsätzlichen Leben, doch für viele andere Sachen reicht es nicht. Beispielsweise ist eine Altersvorsorge sehr teuer. Oft müssen sich die erwachsenen Kinder um die Eltern sorgen. Deshalb ist es keine Besonderheit, dass eine Familie fünf oder sechs Kinder hat. Doch hier beginnt das nächste Problem: Die Kosten der Schulausbildung. Während die ersten drei bis vier Kinder die Schule besuchen können, reicht für die Weiteren das Geld nicht. Also arbeiten sie auf der Plantage der Eltern: Zum einen, um ihre Geschwister mitzufinanzieren und der Familie zu helfen, zum anderen, damit sie nicht nur herumhängen.

Mit Fairem Handel gegen Armut

Warum ich vom Armutsproblem der Menschen erzähle? Weil das ein Punkt ist, den man gut ändern könnte. Fair Trade-Produkte zielen genau auf diese Problematik ab. So bekommen die Familien im Fairen Handel einen fairen Preis für ihre Produkte. Gleichzeitig ist es ein Grundprinzip des Fairen Handels, dass der Nachwuchs ohne Ausnahme eine Bildung bekommt und eben nicht für die Eltern arbeiten muss. Und so kann man sich mit Hilfe des Fairen Handels gegen Armut und für bessere Zukunftschancen der Kinder einsetzen!

Insgesamt hatte ich an der Elfenbeinküste eine sehr schöne Zeit, in der ich definitiv viel über mich und andere gelernt habe. Ich habe viele neue Freunde kennen gelernt und viele interessante Erlebnisse gehabt. Ich würde nach dem Abitur sofort wieder dieselbe Entscheidung treffen und wieder einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst machen!

Weitere Infos zu einem Freiwilligenjahr im Ausland gibt es bei weltwärts
Mehr Infos zu meiner Organisation don bosco volunteers
Mein Blog während dem Auslandsjahr

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