Quelle: Foto: Forum Fairer handel/Andreas Müller
Gerechtigkeit
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Ziel: Geschlechtergerechtigkeit – Frauen im Fairen Handel

Maxi, 20 Jahre

Wir feiern in Deutschland in diesem Jahr 100 Jahre Frauenwahlrecht. Am 19. Januar 1919 durften Frauen zum ersten Mal wählen. Ein Jahrhundert später besitzen Frauen in den westlichen Ländern schon deutlich mehr Rechte – und doch muss weltweit noch sehr viel beim Thema „Geschlechtergerechtigkeit“ getan werden. Der Begriff „Geschlechtergerechtigkeit“ meint die gerechte Gestaltung des gesellschaftlichen Miteinanders von Frauen und Männern, insbesondere bezogen auf Wirtschaft und Politik.

Fast überall gibt es Gesetze und internationale Regelungen, die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts verbieten und trotzdem kommt es zu Benachteiligung – auch in westlichen Ländern. In Deutschland beispielsweise verdienen Frauen 21 % weniger als Männer.  In den großen Unternehmen der Welt sowie in den meisten Parlamenten und Regierungen sind Frauen deutlich unterrepräsentiert. In einigen Ländern wie zum Beispiel Saudi-Arabien durften Frauen bis Mitte 2018 noch nicht einmal allein Auto fahren, geschweige denn einer Arbeit nachgehen.

Fairer Handel: Geschlechtergerechtigkeit im Fokus

Quelle: Foto: El Puente
Der Faire Handel setzt sich für die Stärkung von Frauen weltweit ein.

Neben der Fairen Woche 2019 zum Thema „Geschlechtergerechtigkeit“ hat auch die Fair-Handels-Organisation „Fairtrade Deutschland“ (TransFair e.V.) das Thema 2019 zu einem ihrer Arbeitsschwerpunkte gemacht und fördert aktiv die Gleichstellung von Frauen und Männern. Der 1992 gegründete Verein vergibt an Importeure, Verarbeitungsbetriebe und Händler, die die Standards von der internationalen Dachorganisation Fairtrade International erfüllen, das Recht, das Fairtrade-Siegel für ihre fair gehandelten Produkte zu nutzen. Neben dem Fairtrade-Siegel gibt es noch weitere Siegel und Zeichen, die für Fairen Handel stehen. Wie du diese erkennst, erfährst du in diesem Video.

Standards von Fairtrade International:

  • Sozial: Stärkung der Kleinbäuer*innen und Arbeiter*innen, z.B. durch die Förderung gewerkschaftlicher Organisation, durch geregelte Arbeitsbedingungen und ein Verbot ausbeuterischer Kinderarbeit
  • Ökologisch: Einsetzen für Umweltschutz, z.B. durch die Förderung des Bio-Anbaus, durch umweltschonenden Anbau, durch den Schutz natürlicher Ressourcen
  • Ökonomisch: Es werden Anforderungen an Händler und Hersteller gestellt, z.B. die Bezahlung des Fairtrade-Mindestpreises und transparente Handelsbeziehungen

Übrigens: Neben den Standards von „Fairtrade International“ gibt es noch einige andere Organisationen, die Standards für den Fairen Handel setzen, wie zum Beispiel die World Fair Trade Organization (WFTO). Sie hat zehn Prinzipien verfasst, in denen neben den Prinzipien „Transparenz“, „Faire Löhne“ und „Umweltschutz“ auch das Prinzip „Geschlechtergerechtigkeit“ festgeschrieben ist. Sowohl Fairtrade als auch die WFTO orientieren sich an den international definierten Grundsätzen des Fairen Handels, wie sie in der Grundsatz-Charta des Fairen Handels festgelegt sind.

Fairtrade SiegelNein. Um den Fairen Handel als Ganzes zu benennen, kannst du entweder den deutschen Begriff „Fairer Handel“ oder das englische Äquivalent „Fair Trade“ verwenden.Der Ausdruck „Fairtrade“ (zusammengeschrieben) bezeichnet das Fairtrade-System, das u.a. das Fairtrade-Siegel (links abgebildet) vergibt. Mit dem Fairtrade-Siegel sind die Produkte aus Fairem Handel gekennzeichnet, die nach den Standards von Fairtrade International gehandelt wurden.

„Fairtrade geht es darum, Gerechtigkeit und Transparenz im globalen Handel zu schaffen – und das entlang der Wertschöpfungskette bis zu den Produkten im Supermarkt“, weiß Lena Heckel. Die 18-Jährige absolviert gerade ihren Europäischen Freiwilligendienst bei Fairtrade in Luxemburg. Fairtrade stellt bestimmte Kriterien auf, die zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Produzent*innen im „Globalen Süden“ beitragen. Als „Globaler Süden“ wird die Ländergruppe der Entwicklungs- und Schwellenländer der Erde bezeichnet (die sich meist geographisch auf der Südlichen Erdhalbkugel befinden). Viele westliche Firmen lassen im „Globalen Süden“ produzieren, auch weil viele Produkte nur dort angebaut werden können: zum Beispiel Kaffee, Bananen oder Kakao.

In vielen Ländern des Globalen Südens wird Mädchen der Zugang zu Bildung verwehrt. Sie haben nicht die Möglichkeit, zur Schule zu gehen, können nicht lesen und schreiben. Sie haben wenig Chancen, mit ihrem Beruf ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften, von dem sie später leben können. Der Faire Handel möchte das durch sein Engagement und seinen Einfluss ändern.

„Empowerment“ von Frauen: sozial, finanziell und physisch

Bislang sind 25 Prozent der Kleinbäuer*innen und Arbeiter*innen in den von Fairtrade zertifizierten Kooperativen weiblich. Dieser Anteil soll insgesamt steigen. So möchte Fairtrade Frauen innerhalb der Organisation fördern und dafür sorgen, dass sie gleichberechtigt an Prozessen und Entscheidungen teilhaben können. Diese Maßnahmen lassen sich unter dem Begriff „Empowerment“, zu deutsch: Ermächtigung, zusammenfassen. Dabei unterscheidet Fairtrade zwischen dem sozialen, finanziellen und physischen Empowerment.

Beim sozialen Empowerment steht die Rolle der Frau in der Gesellschaft im Vordergrund. Es soll Frauen die Möglichkeit geben, bei Entscheidungen ihrer Organisationen aktiv mitzuwirken und schafft Weiterbildungsmaßnahmen für Frauen.

Die zweite Maßnahme ist das finanzielle Empowerment, durch das Frauen mehr finanzielle Unabhängigkeit erlangen sollen. So können die Frauen beispielsweise Teile von Prämiengeldern, die Fairtrade vergibt, für eine eigene Anbaufläche oder ähnliches nutzen. Des Weiteren ermöglicht der Faire Handel ihnen ein eigenes Einkommen, durch das sie unabhängig leben können.

Durch das physische Empowerment schließlich soll die Gesundheit und das Wohlergehen von Frauen und Mädchen gefördert werden. Ein Beispiel hierzu: In Kenia werden an 17 Schulen in der Umgebung einer Fairtrade-zertifizierten Blumenfarm Hygieneartikel verteilt – auch, damit die Mädchen durch ihre Monatsblutung nicht von der Schule abgehalten werden. Außerdem gibt es Kurse zur HIV-Prävention und zu gesunder Ernährung. Dabei geht es zum Beispiel um Themen wie „das Recht auf körperliche Unversehrtheit“ und „Gewalt gegen Frauen“.

„Die Fortschritte sind hier je nach Kultur und Region sehr individuell“, berichtet Lena. Das hänge immer auch von der Kooperationsbereitschaft vor Ort und von dem Status quo ab. „Unsere Produzentennetzwerke sind in Asien, Südamerika und Afrika vertreten und die Gleichstellung der Geschlechter ist dort überall auf einem ganz unterschiedlichen Niveau“, fährt sie fort.  Aber sie ist optimistisch: „Es gibt viele Initiativen, zum Beispiel beim Rosenanbau in Kenia, bei denen vor allem Frauen beschäftigt sind. Dort gelingt es sehr gut, die Frauen zu stärken und Geschlechterstereotypen abzubauen.“

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