100 DingeQuelle: Dorian2013/istockphoto.com
Konsum
#fairhandeln

100 Dinge – Was brauche ich wirklich?

Zwar ist Sophia nicht in der Unterhose gestartet, aber sie hat trotzdem, wie im gleichnamigen Film, ein kleines Experiment gewagt: Welche 100 Dinge braucht sie wirklich – und wäre es nicht sinnvoll, diese Dinge durch faire Produkte zu ersetzen?

Sophia, 25 Jahre

Paul kann nicht ohne sein Handy, Toni nicht ohne seine Haarpillen. Beide Männer sind verrückt nach technischen Geräten, Kleidung und jeglichen Schnick-Schnack in hundertfacher Ausführung – auch wenn dieses Szenario nur aus einem Film ist, so entspricht es doch der Realität. Pauschal gesagt: Jeder einzelne von uns besitzt 10.000 Dinge, die er für mehr oder weniger lebensnotwendig hält. Ende 2018 startete der Film „100 Dinge“ in den deutschen Kinos. Eine Komödie über Konsumverzicht, die wirklich wichtigen Dinge im Leben und die Frage nach dem Glücklichsein.

100 Dinge: Die Freunde und Geschäftspartner Toni und Paul schließen eine Wette ab: 100 Tage ohne Konsum und ihre Besitztümer. Ausgangspunkt: Nichts! Nur eine leere Wohnung. Nicht einmal eine Unterhose dürfen die beiden an Tag 1 tragen. Jeden Tag um Mitternacht dürfen sich beide jeweils eine Sache zurückholen. Wer die Regeln bricht, verliert – und zwar die Anteile an ihrem Unternehmen. Beide Figuren müssen sich mehr als einmal die Frage stellen, was wirklich nötig ist und was man eigentlich nicht zum Leben braucht.

Das Selbstexperiment: 100 Dinge, die ich wirklich brauche

Der Film hat mich sehr zum Nachdenken gebracht und auch motiviert, mir die gleiche Frage zu stellen. Beim Schreiben meiner „100 Dinge, die ich wirklich brauche“-Liste, ist mir eines aufgefallen: der Anfang ist relativ leicht – Kleidung wanderte als erstes auf die Liste. Doch ab der Hälfte habe ich schon überlegt, ob die Dinge, die ich jetzt auf dem Papier notiert habe (z.B. Laptop, Sodastreamer & Waschmaschine), wirklich überlebenswichtig oder einfach nice-to-have sind und mich wirklich ‚glücklich‘ machen können. Im Gedankenspiel habe ich mir meine Wohnung – wie im Film – leer vorgestellt. Ich bin von Raum zu Raum gegangen und habe mich in Toni und Pauls Situation versetzt: Was brauche ich wirklich zum Leben? Ziemlich schnell landete leider auch mein Handy auf dem Papier. Was wäre unter euren 100 Dingen? Postet es unter #fairhandeln. Mein Endergebnis könnt ihr hier sehen:

Kleiderschrank (18):

Winterjacke, Übergangsjacke, lange Hose, kurze Hose, 1 Paar Socken, Unterwäsche, Pullover, T-Shirt, Mütze, Sommerhut, Handschuhe, Schal, Badelatschen, Winterstiefel, 1 Paar Schuhe, Kleid, Haussocken, Badeanzug

Küche (23)

Tisch, Stuhl, Mülleimer, Schwamm, Herd, Kühlschrank, Kochtopf, Besteck, Pfanne, Teller, Schere, Schneebesen, Waschmaschine, Sodastreamer, Wasserkocher, Toaster, Spülmittel, Geschirrtuch, Lebensmittel, Putzmittel, Tasse, Besen, Kehrschaufel

Badezimmer (12)

Haarbürste, Zahnbürste, Zahnpasta, Duschgel, Shampoo, Rasierer, Gesichtscreme, Deo, Klopapier, Handtuch, Badetuch, Packung Taschentücher

Schlafzimmer (5)

Bett, Schrank, Bettwäsche, Bettdecke, Kopfkissen

Wohnzimmer (12)

Lampe, Schreibtisch, Schreibzeug, Sofa, Spiegel, Sofatisch, Drucker, Notizblock, Planer, Schränkchen, ein Buch, meine DVD-Sammlung

Elektronik (7)

Handy, Handyladekabel, Laptop, Laptopladekabel, Kamera, Speicherkarte, Kopfhörer

Schmucke, etc. (5)

Armbanduhr, Ohrringe, Omas Ring, Kette, Haargummi

Sonstiges (18)

Geldkarte, Personalausweis, Semesterticket, Rucksack, Geldbörse, Reisepass, Impfausweis, Mitarbeiterausweis (Arbeit), Laptoptasche, Handtasche, Bibliotheksausweis, Kinoabokarte, Koffer, Hasenkäfig, ein Hase, zweiter Hase, Hasenfutter, ein Bild

100 Dinge aufzulisten, ist irgendwie einfach und gleichzeitig auch schwer. Viele der aufgelisteten Sachen fallen in die Kategorie „Luxus“ und „persönliche, individuelle Bedürfnisse“. Sie sind nicht zwangsläufig lebensnotwendig. Meine Hasen, die mich seit mehr als sechs Jahren begleiten, sind zwar keine „Dinge“, landeten aber als erstes auf der Liste. Mein Schmuck, der mehr emotionalen, anstatt materiellen Wert hat, ebenso. Einige Dinge auf der Liste sind überflüssig oder könnten ersetzt werden. Mit der Auflistung musste ich immer abwägen, was ich wirklich für mich brauche und was nicht. Die dargestellte Tabelle ist nun die dritte Version und ziemlich überschaubar. Wie viel brauche ich also wirklich – und bei wie vielen Käufen hab ich mich von Konsumwahn mitreißen lassen? Was mich erschreckt hat: Gerade mal ein Ding dieser Liste ist Fair Trade. Das sind die Ohrringe aus einem Fair Trade-Laden in Canterbury (U.K.), die mir meine Eltern geschenkt haben. Das will ich künftig ändern!

100 überflüssige Dinge

Nachdem ich meine Liste fertig hatte, habe ich mich auf zur Wohnung meines Freundes gemacht. Ich hab den Spieß jetzt umgedreht: 100 Dinge, die total überflüssig sind. Wir sind wieder von Zimmer zu Zimmer gegangen und haben alles in einer Fotostrecke festgehalten. Immer wieder hörte ich den Satz „Das kann man ja noch mal vielleicht gebrauchen.“ Unzählige Tüten, Kabel, leere Dosen, Vorratskäufe. 100 Dinge waren innerhalb von 30 Minuten gefunden. Leere Behältnisse sind danach ordnungsgemäß im Müll gelandet, andere Dinge wiederum haben durch Kleinanzeigen einen neuen Besitzer gefunden.

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