KinderarbeitQuelle: TairA/shutterstock.com
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Was ist eigentlich Kinderarbeit?

Lukas, 24 Jahre

Vielleicht kennt Ihr es selbst aus Eurer Kindheit: die Suche nach kreativen Ausreden, um nicht im Haushalt mithelfen zu müssen. Ich weiß noch, wie ich mit meinen Geschwistern früher mit haarsträubenden Begründungen daherkam, um nicht die Spülmaschine ausräumen zu müssen. Geholfen hat es meistens wenig. Bei einem Argument kam ich mir besonders clever vor: ich behauptete, den Müll rauszubringen wäre Kinderarbeit und die wäre schließlich verboten.

Man muss wirklich kein Experte sein, um zu erkennen, dass diese Erklärung meines 10-jährigen Ichs ziemlicher Unfug ist. Trotzdem ergibt es Sinn, sich einmal genauer anzuschauen, welche Regelungen es zu Kinderarbeit gibt und wie diese aussehen.

Kinderarbeit und Kinderrechte

Die Grundlage bildet die UN-Kinderrechtskonvention, die 1989 von insgesamt 193 Staaten ratifiziert wurde. Eine Ratifizierung bedeutet dabei für das jeweilige Land, eine freiwillige, aber rechtlich bindende Selbstverpflichtung einzugehen. Lediglich von Somalia und den USA steht dieser Schritt noch aus.

In der Unterkategorie zu „Schutzrechten“ geht es in der Konvention auch um Kinderarbeit. So heißt es z.B. in Artikel 32:

„Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes an, vor wirtschaftlicher Ausbeutung geschützt und nicht zu einer Arbeit herangezogen zu werden, die Gefahren mit sich bringen, die Erziehung des Kindes behindern oder die Gesundheit des Kindes oder seine körperliche, geistige, seelische, sittliche oder soziale Entwicklung schädigen könnte. […]“

Kinderarbeit vs. „ausbeuterische“ Kinderarbeit

Hier wird deutlich, dass Kindern nicht jede Art von Arbeit verboten ist. Die Mitarbeit im Haushalt oder die Unterstützung der Eltern im Handwerksbetrieb oder in der Landwirtschaft kann wichtige gesellschaftliche Werte vermitteln und mitunter wertvoll für die persönliche Entwicklung der Kinder sein. Mit Blick auf den Umfang und die Art der Arbeit lässt sich aber der Begriff der „ausbeuterischen Kinderarbeit“ abgrenzen. Die Internationale Arbeitsorganisation (IAO), eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, benennt die schlimmsten Formen der Kinderarbeit:

  • Sklaverei und Schuldknechtschaft und alle Formen der Zwangsarbeit
  • Arbeit von Kindern unter 13 Jahren
  • Kinderprostitution und -pornografie
  • Der Einsatz von Kindern als Soldaten
  • Illegale Tätigkeiten, wie zum Beispiel Drogenschmuggel
  • Arbeit, die die Gesundheit, die Sicherheit oder die Sittlichkeit gefährdet, also zum Beispiel Arbeit in Steinbrüchen, das Tragen schwerer Lasten oder sehr lange Arbeitszeiten und Nachtarbeit.

Obwohl die Grenzen der Kinderarbeit eigentlich also auf dem Papier klar geregelt sind, ist es leider nach wie vor ein sehr problematisches und aktuelles Thema.
Unicef schreibt, dass weltweit insgesamt 218 Millionen Kinder und Jugendliche (zwischen fünf und 17 Jahren) einer Arbeit nachgehen. 152 Millionen von ihnen sind Kinderarbeiter, das bedeutet, „sie müssen unter Bedingungen arbeiten, die sie ihrer elementaren Rechte und Chancen berauben.“ Weiter heißt es, „fast die Hälfte der Kinderarbeiter – 73 Millionen – leidet unter Arbeitsbedingungen, die gefährlich oder ausbeuterisch sind“.

Prozentual gesehen ist der Anteil der arbeitenden Kinder in den afrikanischen Staaten mit 20 % am höchsten. Das bedeutet, dass dort jedes fünfte Kind arbeitet. An zweiter Stelle steht Asien, wo 7,4 % aller Kinder arbeiten.

Was hat das mit dir zu tun?

Habt Ihr schon mal Zeitungen ausgetragen, die Hecke der Nachbarn geschnitten oder Hunde ausgeführt, um Euch etwas dazu zu verdienen? Dann gehört Ihr zu den rund 40 % der Schüler*innen zwischen 12 und 16 Jahren in Deutschland, die einen Nebenjob haben. In aller Regel geschieht die Arbeit freiwillig; Deutschland gilt als nicht gefährdet von ausbeuterischer Kinderarbeit. Bedeutet das also, dass in unserem Alltag das Thema Kinderarbeit kein Problem darstellt? Auf keinen Fall! Denn viele Produkte, die es hier zu kaufen gibt, haben sehr undurchsichtige Handelsketten, in denen ausbeuterische Kinderarbeit einen versteckten Anteil haben kann. Das gilt besonders für Textilien, Kakao und viele andere landwirtschaftliche Erzeugnisse. Eine gute Lösung ist es, fair gehandelte Produkte zu kaufen, bei deren Herstellung auf Kinderarbeit verzichtet wird.
Das Forum Fairer Handel gibt es eine Übersicht, wie man fair gehandelte Produkte erkennen kann und wofür die Labels stehen, die einem beim Einkaufen begegnen.
Wenn du selbst aktiv werden möchtest, gibt es viele Möglichkeiten. Schau doch zum Beispiel mal in deinem nächstgelegenen Weltladen vorbei; dort gibt es meistens tolle Möglichkeiten, sich zu engagieren (Link: ). Andere Möglichkeiten um sich einzubringen gibt’s in entwicklungspolitischen Gruppen in Deiner Umgebung, z.B. Amnesty International. Wenn es Dich eher in die weite Welt zieht, kannst Du z.B. über das Weltwaerts-Programm Freiwilligendienste im Ausland finden.

Die Faire Woche wird gefördert mit Mitteln des evangelischen Kirchlichen Entwicklungsdienstes, durch MISEREOR und durch ENGAGEMENT GLOBAL mit finanzieller Unterstützung des

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